Mich treibt die Sinnfrage um

Als ich begonnen habe, mein eigene Rollenspielsystem zu schreiben, wollte ich hauptsächlich vermeiden, jedes Mal das System zu wechseln, wenn ich ein anderes Genre spielen wollte. Und ich wollte es einfach halten, damit ich es vielleicht mit meinen Kindern spielen konnte. Innerhalb dieser sehr weiten Richtlinie hatte ich dann verwendet, was immer mit gefallen hat, verbessert, was ich für verbesserungswürdig hielt, und die Lücken dazwischen aufgefüllt mit was immer mir in dem Moment überzeugend erschien. Ich habe so einige spielbare Versionen zusammengestellt. Wir hatten Spaß damit und einzelne Spieler haben damit auch eigene Runden geleitet. Trotzdem war ich nie richtig überzeugt. Nach Jahren des Schreibens, Testspielens und Neu-Schreibens habe ich endlich verstanden was ich falsch gemacht habe. Ich hatte mein System so entwickelt, dass es mir im Augenblick gefiel - die Entwicklung folgte aber keinem klarem Zweck. 

Ich glaube, Ende 2017 hat mich eine weitere Version meines Spiels verärgert. Ich mochte es während der Entwicklung, aber nicht wirklich während des Spielens. Ich hatte einige interessante Ideen und es war unterhaltsam, sie in Regeln umzusetzen. Aber die Regeln waren nicht unterhaltsam am Spieltisch. Deshalb entschied ich noch einmal ganz von vorne anzufangen. Und anstatt Ideen zu verfolgen, die cool wirkten, habe ich nur die verfolgt, die sich rechtfertigen konnten. Was war der Zweck dieser Regel? Gab es schon etwas Ähnliches in meinen Notizen? Konnte ich diese ähnlichen Ideen zusammenfassen und vereinfachen? Würde das meinen Zweck fördern?

Ich habe eine Jahr gebraucht, um die nächste spielbare Version zu erreichen. Der Nutzen dieses Jahres war, dass ich wirklich an alles die Sinnfrage gerichtet habe. Es hat mehrere Durchgänge gebraucht. Manche Ideen sahen zunächst gut aus, aber haben Konzepte nicht überstanden, die ich später hinzugefügt habe. Der Haken an dem Jahr war, dass ich nur Notizen in Stichworten und Fragmenten gemacht habe. Ich hatte keine ausformulierten Regeltexte. Und ohne nachlesbare Regeln wäre es leicht ein Detail zu übersehen oder meiner Spielrunde die Regeln einfach falsch zu erklären. Den Großteil meines Jahresendurlaubs und meiner Freizeit im Januar habe ich damit verbracht, meine Notizen zu prüfen und sie in klare Regeltexte zu übersetzen. Ich bin froh über diesen Aufwand, denn mir ist manches aufgefallen, von dem ich dachte, das es mir klar ist, was ich aber im Laufe der Konzeptionierung schleichend verändert habe. Ohne es selbst zu bemerken. Jetzt habe ich ein Regeldokument zum Nachschlagen, das verlässlich und zweifach-geprüft ist.

Interessanterweise hat vor ein paar Wochen Brad J. Murray über absichtsvolles Rollenspiel-Design gebloggt (in englischer Sprache) und ist zu ähnlichen Schlüssen gekommen. Allerdings hat er sich mehr darauf konzentriert, warum ein Zweck oder eine Absicht wichtig ist statt über den Prozess zu lamentieren. Ein Blick in seinen Text lohnt sich.

Wie auch immer ... ich freue mich auf die erste Spielrunde. Ich werde erzählen, wie es lief. Und hoffentlich, wenn es gut läuft, mehr über das System verraten.

 

Bildnachweis: photosteve101 - Einzelne Rechte vorbehalten

 rsp blogs.de sw 170x51