Wie ich rollenspiele? Ich will Beziehungen aufbauen und Geschichten erkunden

For ein paar Tagen hat Christof Heimhilcher über seinen Spielstil gebloggt und seine Überlegungen haben mit einigen meiner Beobachtungen harmoniert. Rollenspiele decken ein breites Spektrum von Interessen ab und erlauben es, dass mehrere davon gleichzeitig im selben Spiel bedient werden. Nicht alle Kombinationen funktionieren jedoch reibungslos am selben Tisch. Was ist mein Spielstil und wie beeinflusst das, was ich spiele und was ich schreibe?

Rollenspiele sind meist asymmetrisch und bieten zwei grundsätzlich unterschiedliche Spielmodi. Entweder ist man der Game Runner, der das Spiel vorbereitet und die Welt repräsentiert, oder man spielt einen einzelnen Charakter, um den sich die Handlung dreht.

Einen einzelnen Hauptcharakter spielen

Ich folge Christofs Beispiel und benutze die Spieltypen, die Robin D. Laws entworfen hat und die ich … diskutabel finde. Bei Interesse kann man mit einem kleinen Quiz (in Englisch) herausfinden, wo man in diesem Modell steht. Ich würde dem Ergebnis aber nicht zu viel Bedeutung beimessen. Es ist weder ein wissenschaftlich untermauertes Modell, noch ein wissenschaftlich aufgebautes Quiz. Aber es ist ein Anfang. Nach diesem Quiz wäre ich in erster Linie ein Storyteller, danach ein Method Actor, gefolgt von ähnlichen Werten für Casual Gamer, Tactician und Power Gamer, abgerundet mit ein paar Tropfen Specialist und Butt-Kicker. Ich weiß, dass diese Einschätzung falsch ist, und ich kann es leicht demonstrieren. Aber eines nach dem anderen.

Casual Gamer

Meine stärkste Motivation zum Rollenspielen hat Laws entweder furchtbar beschrieben oder er hat es gar nicht als Motivation erkannt. Laws Casual Gamer würde auch alles andere anstelle von Rollenspielen machen, solange der Freundeskreis mitmacht. Casual Gamer sind nicht wirklich am Spiel interessiert.

Das bin ich nicht. Ich spiele zwar selten, wenn nicht mindestens ein Freund mit am Tisch sitzt, weil ich Zeit mit meinen Freunden verbringen möchte, weil ich sehen will wie sie agieren und auf ungewöhnliche Umstände reagieren, weil ich sie besser verstehen will und gemeinsame Erinnerungen erschaffen möchte. Ich überlasse das Spotlight gerne meinen Freunden, wenn sie es mehr benötigen als ich oder wenn ich etwas über sie lernen kann. Das bedeutet aber nicht, dass mir das Spiel egal ist. Im Gegenteil, Rollenspiel ermöglicht mir, mich meinen Freunden verbundener zu fühlen.

Ich bin kein Gelegenheitsspieler. Ich spiele, um Beziehungen zu pflegen.

Storyteller

Wenn ich einen einzelnen Hauptcharakter spiele, würde ich mich nicht als Geschichtenerzähler bezeichnen. Ich möchte die Spielumgebung erkunden, den Hintergrund oder die Vorgeschichte der Situation erforschen, die Charakter innerhalb dieser Spielumgebung kennen lernen, verstehen was sie tun und warum sie es tun, mit ihnen interagieren, Beziehungen aufbauen und einen Zweck erfüllen. Ich mag es nicht, die Geschichte während des Spielens selbst erschaffen zu müssen oder aus den Ergebnissen einer Reihe von Zufallstabellen einen Zusammenhang herauszulesen. Ich habe kein Interesse an den Launen des Augenblicks und ich verabscheue es Zufällen nachträglich eine Bedeutung überzustülpen. Ich möchte bereits vorhandene Verbindungen erforschen und entwickeln.

Ich bin kein Geschichtenerzähler. Ich bin ein Geschichten-Genießer.

Method Actor

Das ist wahrscheinlich der eine von Laws' Spieltypen, der mir am besten passt. Ich mag es, schwer Entscheidungen zu treffen und das Gewicht potenzieller Konsequenzen zu spüren. Das setzt allerdings langfristige Beziehungen innerhalb der Spielumgebung und die Glaubwürdigkeit meines Charakters voraus.

Tactician

Taktische Überlegungen und Entscheidungen sind für Brettspiele. Sobald Taktik das Spiel dominiert, spiele ich keine Rolle mehr. Dann interpretiere ich nur noch eine Sammlung von statistischen Werten. Ich gebe zu, dass auch das Spaß machen kann. Ich betrachte das nur nicht als Rollenspiel.

Power Gamer

Eine Sammlung von statistischen Werten zu optimieren, kann auch Spaß machen. Ich habe häufig genug D&D 3.5 und Shadowrun gespielt, um das bestätigen zu können. Aber das ist Spaß, der zwischen den Spielsitzungen stattfindet. Spaß, den ich alleine hab. Es macht keinen Spaß Zeit mit einer optimierten Sammlung von statistischen Werten zu verbringen, wenn diese Sammlung nicht auch noch einen Charakter hat.

Selbst wenn ich der Faszination des Schraubens und Min-Maxings nachgebe, optimiere ich einen Charakter, der die Gruppe unterstützen soll. Einen Beschützer oder Heiler zum Beispiel.

Specialist

Ich mag mich nicht wiederholen. Das selbe Konzept immer und immer wieder zu spielen, ist keine Option für mich.

Butt-Kicker

Ich finde Kampf nicht sonderlich faszinierend. Wenn sich alle einig sind, das Kampf die beste Option ist, dann hat die Szene nicht genug Konflikt. Die interessantesten Kämpfe sind diejenigen, wo mindestens eine Seite etwas Sinnvolleres tun möchte. Einvernehmliches Dezimieren von Lebenspunkten reizt mich nicht.

Außerdem führt dieser Spielstil fast immer zum Wettstreit wer den meisten Schaden macht oder die meisten Gegner besiegt. Ich vermeide Wettstreit mit Freunden. Ich bevorzuge Kooperation.

Als Game Runner spielen

Ich spiele lieber als Game Runner als nur einen einzelnen Charakter zu führen. Es ist die ideale Gelegenheit meine Freunde einzuladen und ihre Interessen näher kennen zu lernen und zu beobachten, wie sie mit der Spielumgebung interagieren. Ich investiere albern viel Zeit in die Vorbereitung einer Spielsitzung. Ich will eine widerspruchsfreie und interessante Hintergrundgeschichte bieten. Ich will im Detail verstehen wie die Spielumgebung und die enthaltenen Charaktere reagieren würden, wenn meine Mitspieler ein überraschendes Verhalten zeigen. Ich plane voraus, bedeutsame und emotionale Szenen aufzumachen, in denen verschiedene Herangehensweisen und interessante Entscheidungen möglich sind. Als Game Runner überlappen die Pflege meiner Beziehungen zu Freunden, das Entwickeln einer Geschichte und die Darstellung überzeugender Charaktere.

One-Shots oder Kampagen?

One-Shots lassen mir nicht viel Raum die Beziehungen meines Charakters zu seiner Umwelt zu entwickeln. Ganz oft kann ich in einer einzelnen Sitzung nicht mal meinen Charakter angemessen darstellen. Daher erwarte ich von One-Shots, dass sie das mit wirklich interessanten Geschichten oder emotional anspruchsvollen Szenen ausgleichen - was One-Shots aber selten leisten.

Kampagnen bieten mir mehr. Selbst eine kurze Kampagne mit ein paar Sitzungen passt besser zu meinem Spielstil. Die besten Kampagnen sind für mich diejenigen, wo die teilnehmenden Spieler nicht festgelegt sind, sondern von Sitzung zu Sitzung wechseln können. So können mehr Freunde mitspielen, sich zwischen den Sitzungen über die Kampagne unterhalten und gemeinsam eine viel schönere soziale Erfahrung erschaffen.

Wie beeinflusst das mein eigenes Rollenspielsystem?

Als ich anfing mein eigenes System zu schreiben, wollte ich hauptsächlich in der Lage sein, Genres zu wechseln ohne das System wechseln zu müssen. Da meldet sich mein Interesse an der Erforschung von Geschichten.

Mit der Zeit wurde mir klar, dass ich noch weitere Ansprüche habe. I will sicher sein, dass ich nicht aus Versehen einen der Hauptcharaktere umbringe. Spieler sollen entscheiden können, ob sie die Existenz ihres Charakters auf's Spiel setzen wollen, aber es soll eine deutlich bemerkbare Entscheidung sein. Ein Charakter, der per dummen Zufall stirbt, ist die extremste Form des Aussetzens und schließt einen Mitspieler vom Spiel aus. Da meldet sich mein Interesse an Beziehungen.

Ich möchte, dass alle Spieler mehr Auswahl haben als Konflikte mit Gewalt zu lösen. Viele Spiele haben detaillierte Regeln für den Kampf und bieten ein unterhaltsames Spiel damit an. Soziale oder mentale Konflikte werden aber selten mit mehr als einem einzelnen Würfelwurf behandelt. Sie sind keine gleichwertigen Optionen, weil sie keine vergleichbare mechanische Unterhaltung bieten, und sie kombinieren sich auch schlecht. Ich möchte, dass eine Gruppe Abenteurer in der Lage ist, an einem Ende des Lagers ein Rudel Wölfe mit Schwert und Bogen abzuwehren, während gegenüber die Wölfe mit lauten Rufen und Fackeln eingeschüchtert werden. Hier meldet sich mein Interesse an schlüssiger Charakterdarstellung.

Die aktuelle Version meines Systems sollte das hinbekommen, aber der Test am Spieltisch steht noch aus.

 

Für eine Reaktion auf diesen Beitrag schreibt mir eine E-Mail, blogged und/oder schickt mir einen Tweet.

 

Bildnachweis: Book Lin - Einzelne Rechte vorbehalten

 rsp blogs.de sw 170x51