Mein Verhältnis zur Liebe

Es war nicht angenehm festzustellen, dass ich ein grundlegendes Konzept des menschlichen Zusammenlebens nicht definieren konnte. Ich fühlte mich unfähig und verletzt von all den Versuchen vorzutäuschen so zu lieben, wie ich es um mich herum wahrnehme. Alle bekannten Routinen - Rituale, Lieder, Filme und Geschichten, selbst das Vokabular - fördern ein Verhalten, das ich nicht ohne zu lügen nachmachen kann. Leider weiß ich immer noch nicht, wie Liebe funktionieren kann.

Dieses Thema hat mich mein ganzes Leben begleitet, aber die letzten Jahre waren besonders anspruchsvoll. Und je mehr ich versuchte zu verstehen, was Liebe ist, desto mehr fiel mehr auf, dass es sonst auch kaum jemand weiß.

Sookie gehört mir?

Irgendjemand meinte für ihn wäre Liebe die Kombination von Lust und Eifersucht. Ich gönne ihm, dass er damit glücklich wird, aber das kann keine allgemein gültige Definition sein. Das ist nicht mehr als die Klischee vom "guten Fang machen" und "sich eine Jüngere suchen". Ich kann mir vorstellen, dass viele Menschen ihr Leben so führen. Aber wenn ich so fühlen würde, würde ich es nicht Liebe nennen. Ich nenne das Besitzgier and ich würde mich dafür verachten. Einen anderen Menschen als Eigentum zu betrachten, ist eine Vorstufe zur Sklaverei. Wo bleibt die Freiheit des geliebten Menschen, wenn ich ihn/sie für mich behalten will und vor dem Kontakt mit anderen beschützen muss?

Antike Weisheit?

Wenn man nach einer anspruchsvolleren Beschreibung der Liebe sucht, sind die alten Greichen schwer zu übersehen. Nicht nur wenn man im Internet sucht, selbst eine Beziehungstherapeutin konnte ihre vorzeitige Ejakulation von Agape, Eros und Philia nicht verhindern - und vergaß Storge dabei. Diese alten philosophischen Konzepte unterscheiden selbstlose oder göttliche Liebe, romantisches oder sexuelles Verlangen, Freundschaft und schließlich verwandtschaftliche Liebe. Aber es gibt keine klaren Definition, wo die eine Kategorie endet und die nächste beginnt. Selbst die alten Griechen haben den Unterschied nicht verstanden. Sie haben Agape und Philia desöfteren verwechselt, z.B. als sie die Bibel übersetzt haben. Außerdem erklärt das Modell meine Gefühlslagen überhaupt nicht.

Eine Dreiecksbeziehung?

Ich entwickle kein sexuelles Verlangen, wenn ich nicht vorher ein gewisses Maß an geistiger Vertrautheit entwickelt habe, und in alle meine dauerhaften Beziehungen setze ich auf Loyalität auf. Beides taucht im antiken griechischen Modell nicht explizit auf. Darum spricht mich Robert Sternbergs triarchische Theorie der Liebe viel stärker an. Auf einen einzelnen Satz verdichtet, sagt diese Theorie, dass jede Form von Liebe aus unterschiedlich starken Anteilen von Verpflichtung, Vertrauen und Sinnlichkeit zusammengesetzt ist. Ich mag diese Theorie. Sie deckt viele Verhaltensweisen und Gefühle ab, die ich Liebe nenne. Sie deutet auch an, dass Liebe nicht einmalig ist, sondern etwas, dass wir für mehr als eine Person empfinden und ausdrücken können. Das Problem ist nur, dass Robert Sternberg selbst diese Theorie verworfen und eine neue entwickelt hat.

Liebe ist eine Geschichte?

In dieser neuen Theorie sagt er, dass es Archetypen von Geschichten gibt, die uns durch unser Liebesleben führen. Das mag hilfreich sein, um Verhalten zu analysieren oder vorauszusagen. Vielleicht ist es ein sensationelles Werkzeug für Therapeuten. Aber diese Theorie hilft mir gar nicht dabei zu bestimmen, welche Sorte Liebe ich empfinde. Oder wie ich kommunizieren kann, dass ich anders liebe als meist erwartet wird.

Schlussfolgerung?

Ich habe eine Menge über mich und ein wenig über das Leben gelernt.

Ich baue keine Beziehungen mit Menschen auf, wenn ich sexuelle Verlangen für sie empfinde. Ich empfinde sexuelle Verlangen, wenn ich eine intensive Beziehung mit Menschen habe. Wenn sie mir wichtig sind. Und ich kann so für mehr als eine Person gleichzeitig empfinden. Das muss nicht erwidert werden. Ich mag es nur nicht leugnen müssen.

Ich habe viele, viele Fehler gemacht. Ich habe meine Liebsten verletzt. Ich fürchte, ich tue es immer noch.

 

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