Momentan lese ich die Broken-Earth-Reihe

Ich bin wählerisch. Ich habe die Angewohnheit, schon im ersten Kapitel eines Buches enttäuscht zu sein. "The Fifth Season" hatte mich innerhalb von Minuten fasziniert und hielt mich bis zum Schluss gefangen. Eigentlich länger, denn ich habe das nächste Buch dieser dreiteiligen Serie direkt im Anschluss gekauft.

Grundprämisse des Settings und namensgebend für die Serie ist eine Welt, die Naturkatastrophen auf globaler Ebene so regelmäßig erlebt, dass die Bewohner sie als fünfte Jahreszeit bezeichnen. Glücklicherweise verändern Erdbeben, Tsunamis und Gasausbrüche nicht jedes Jahr die Welt, sondern nur alle paar Generationen. Dies könnte etwas mit der Existenz von sogenannten "orogenes" zu tun haben; Menschen, die die Erde und seismische Aktivitäten manipulieren können. Oder die "orogenes" könnten die Ursache für all diese Probleme sein. Zum Schutz der Bevölkerung werden junge "orogenes" ihren Eltern weggenommen. Sofern Familie oder Nachbarn sie nicht bereits getötet haben. Dies ist der Hintergrund für eine Geschichte über unterdrückte Menschen. Menschen, die versuchen, auf die eine oder andere Weise Gelassenheit zu finden. Sei es, indem sie sich fügen und in der Rolle glänzen, die die Gesellschaft ihnen zugewiesen hat. Oder indem sie gegen diese Regeln rebellieren und Ausgestoßene werden, eine Bedrohung, mitunter sogar eine Naturgewalt. Oder indem sie sich selbst und die Situation um sich herum anpassen.

Ich will nicht zu viele Details verraten, damit du (falls du interessiert bist) genauso viel Spaß daran hast, die gebrochene Erde zu erkunden wie ich. Denn ein großer Teil meiner Faszination kam durch die Frage, warum diese Welt so ist, wie sie ist. Was sich aus jeder Szene entwickelt. Wie alles zusammenhängt. Soweit ich bisher gelesen hab, waren die Charaktere mitreißend. Die Charaktere, die uns die Welt vermitteln, sind komplex, haben klare Wertvorstellungen und verändern sich im Laufe der Zeit. Sie haben glaubwürdige, aber widersprüchliche Beziehungen. Die dargestellten Beziehungen sind für mich besonders reizvoll. Es werden so viele verschiedene Varianten gezeigt, wie Menschen wertvolle Verbindungen knüpfen können. Auch wenn einige davon tragisch sind.

Die Erzählstimme erinnert mich an Sciencefiction- und Fantasy-Bücher, die ich als Teenager und junger Erwachsener gelesen habe. Ich hatte diese Art zu erzählen vergessen, diese spezielle Darstellung des Lebens. Ich assoziere Tanith Lee oder Marion Zimmer Bradleys Darkover (erspare mir die Empörung - anscheinend können schlechte Menschen gute Bücher schreiben). Insbesondere fühlte ich mich an Jo Claytons Seelentrinker-Reihe erinnert.

Zur Klarstellung: "The Broken Earth" ist ein modernes Buch, keine 70er- oder 80er-Jahre-Reminiszenz. Die Sprache ist exakt und atmosphärisch, ohne sich in langwierigen Beschreibungen zu verlieren. Jede Szene, jeder Dialog drängt vorwärts. Mehrere separate Handlungsstränge sind miteinander verwoben und das Timing jedes einzelnen Wechsels ist hervorragend. Wann immer man glaubt, diese zerbrochene Erde zu verstehen, enthüllt sich etwas Neues.

Ich lese gerade das zweite Buch. Ein drittes wartet. Ich muss jetzt wirklich weiterlesen.

 

Die "Broken Earth"-Reihe von N. K. Jemisin
The Fifth Season
The Obelisk Gate
The Stone Sky